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Von Holz zu Plastik

Holz ist ein Werkstoff der Zukunft. Er eignet sich nicht nur für Möbel- und Hausbau, Energiegewinnung und als Arbeitsmaterial für Künstler – er kann sogar Produkte aus Erdöl ersetzen.

Von Maximilian Macalla und Wiedad Mohamed

Erdkugel aus Holz und Kork auf der LIGNA

Feuerfeste Holzhäuser. Brücken aus Holz, über die schwere Lastwagen rollen. Plastik aus Holz. Alles Dinge, die verwundern und doch möglich sind. Auf der Weltmesse für Forst- und Holzwirtschaft, LIGNA, zeigen zahlreiche Aussteller aus aller Welt neue Technologien, mit denen sich solche Visionen umsetzen lassen.

Der Holzwissenschaftler Dr. Martin Ohlmeyer von der Universität Hamburg erläutert, was man aus Holz alles bauen kann: herkömmliche Möbel wie das Ikea-Regal oder sogar ganze Windräder.

Holz kann viele Stoffe ersetzen, ohne die das Leben heute unmöglich scheint. So lassen sich zum Beispiel Klebstoffe für Holz aus Holzbestandteilen synthetisieren, die sonst aus Erdöl gewonnen werden müssten. „Für mich hat Holz eine Perspektive, Erdöl ist schließlich endlich“, sagt Ohlmeyer.

Auch eine Perspektive haben Holzhäuser, denn sie bieten gegenüber Betonbauten viele Vorteile.

Allein wegen seiner Natürlichkeit sehen Menschen in Holz ein warmes, einladendes Material.

Es erhöht den Komfort und hat eine beruhigende Wirkung, wenn es in Räumen eingesetzt wird, wie eine Studie des österreichischen Forschungszentrums Joanneum ergeben hat.

Durch Holz lässt sich zudem die Luftfeuchtigkeit in einem Zimmer regulieren. Und im Brandfall ist es ungefährlicher als Stahl, der seine Statik schon bei niedrigen Temperaturen verliert, weil er schmilzt. Wenn Holz zu brennen beginnt, bildet sich eine Rußschicht, die zuerst das restliche Holz isoliert.

Das verlängert die Zeitspanne, in der das Gebäude stabil bleibt. Selbst Erdbeben verkraften Holzkonstruktionen gut, denn Holz ist flexibel und kann Druck- und Zugkräften widerstehen.

Mit den Bau von Holzhäusern kennen sich der Vorsitzende des Verbands der niedersächsischen Zimmermeister, Karl Hoffmeister, und sein Geschäftsführer, Wilhelm Rheil, aus.

In letzter Zeit gehe der Trend wieder zu Holzhäusern, und zwar zu solchen, denen man ihren Baustoff auch ansieht. „Manche Kunden wollen verputzte Fassaden.

In Norddeutschland möchte man Klinkerfassaden, aber viele Menschen bevorzugen Gebäude aus Holz oder verwitterte Fassaden“, sagt Rheil.

Um das Holz für den Hausbau vorzubereiten, wird es zuerst getrocknet. Früher musste es dafür monatelang gelagert werden, heute trocknet Holz dank neuer Techniken innerhalb einer Woche – zum Beispiel bei Unterdruck in Hitzekammern.

Anders als man vielleicht denkt, werden dabei kaum Chemikalien eingesetzt. Das Holz wird höchstens imprägniert.

Aus Holz lassen sich nicht nur Einfamilienhäuser bauen.

Zum Beispiel entstand im niederländischen Ort Sneek eine Brücke, deren Trägerkonstruktion komplett aus Massivholz besteht. Sie ist sogar für schwere Lkw geeignet. Auch das Expo-Dach auf dem hannoverschen Messegelände besteht zum größten Teil aus Holz und galt um die Jahrtausendwende als Meilenstein des Holzbaus.

In Zukunft lassen sich möglicherweise noch größere Monumente aus Holz verwirklichen. Derzeit sind die Auflagen für Statik und Brandschutz aber noch nicht erfüllbar.

Daran wird intensiv geforscht. Die Statik lässt sich durch spezielle Verleimungen gewährleisten, und der Brandschutz lässt sich durch die Dicke des Holzes verbessern.

„Fügt man zwei Zentimeter hinzu, bleibt das Gebäude bei einem Feuer etwa eine halbe Stunde länger stabil“, sagt Karl Hoffmann vom Verband der niedersächsischen Zimmermeister.

Holz wird auch verbrannt, um Energie und Wärme zu gewinnen. Es ist aufgrund seiner hohen Dichte gut dafür geeignet. In einer relativ kleinen Menge Holz ist viel Energie gespeichert, was am langsamen Wachstum der Bäume liegt.

Holz in der Papierherstellung

Die Energieversorger setzen darum auf Umtriebsplantagen, auf denen sie in kurzer Zeit viele Bäume zur Energiegewinnung oder zur Papierherstellung anpflanzen können.

Auch bei der Papiergewinnung kann Energie aus dem Holz noch genutzt werden, denn für das Papier wird nur der Zellstoff benötigt.

Das die Verholzung der Zellwände verursachende Lignin bleibt als Abfallprodukt übrig und wird meistens verbrannt.

1998 entdeckten Forscher des jungen Unternehmens Tecnaro jedoch, dass sich aus dem Lignin auch Plastik herstellen lässt. Es könnte das auf Erdöl basierende normale Plastik auf lange Sicht ersetzen.

Noch ist das aber zu teuer für die Massenfertigung. Das wird sich vermutlich mit den steigenden Ölpreisen ändern. Das Unternehmen hat sich bereits die Patente gesichert und expandiert.

Holz bietet als Naturprodukt eine unmittelbare Erfahrung für den Menschen mit seiner Umgebung. Deshalb ist auch Kunst aus Holz auf der LIGNA vertreten, und die Aussteller bieten verschiedenes Kunsthandwerk an.

Was Holz für den Künstler Bernd Pfister so interessant macht, ist seine „Rückstrahlfähigkeit“. Es schlucke die Körperwärme nicht wie Stein oder Metall, sondern gibt sie wieder und fühlt sich dadurch warm an.

Das Holz hat innen hohle Stellen oder Risse, die der Künstler nicht vorausahnen kann. Jedes Stück Holz ist einzigartig. „Das gibt dem Holz Lebendigkeit, es ist fast wie ein Mensch“, sagt Pfister. Er richtet sich in seinem Handwerk nach dem Holz, nicht umgekehrt.

Welchen Stellenwert wird Holz in Zukunft haben? Vieles deutet darauf hin, dass Holz eine größere Rolle in unserem Leben spielen wird – sei es nun in der Energieversorgung, in der Art, wie wir wohnen, oder in der Kunst. Es ist regenerativ und unschädlich. Doch es zu nutzen, bringt eine Verantwortung mit sich, eine Verantwortung der Natur gegenüber.

Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (Jahrgang 10)

Mit Kunst in der Nische

Auf der LIGNA kann man erleben, dass aus Holz wahre Kunstwerke entstehen können. Denn für Holzbildhauer ist das Material eines, „mit dem man alles machen kann“.

Von Lorenz-Alexander Bartsch und Noah Grossmann

Design der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Cham

Design der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Cham

Er griff zu. Der Holzscheit lag schwer in seiner Hand. Er beugte sich über die Werkbank. Die Klinge seines Messers glänzte im fahlen Mondlicht und er begann zu schnitzen …

Was der kleine Michel aus Lönneberga in Astrid Lindgrens Roman aus Langeweile tat, ist für viele heute ein Traumberuf:

Als Holzkünstler sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Schnitzen, hobeln, drechseln – alles, was das Herz begehrt.

Doch was macht den Umgang mit Holz so reizvoll für Künstler?

Auf der Holzweltmesse LIGNA in Hannover ist man sich einig: Kunst und Holz, das passt. Für Maike Thormeyer, die sich im zweiten Lehrjahr ihrer Holzbildhauerlehre befindet, ist Holz ein Material, „mit dem man einfach alles machen kann“.

So bietet der Werkstoff Holz einerseits Möglichkeiten und Herausforderungen, die ihn interessant machen, andererseits aber auch Gefahren. Denn Holz vereint verschiedene Eigenschaften, die es wahrlich lebendig wirken lassen.

Zwar bewegen sich die Bäume (noch) nicht wie die Ents im „Herren der Ringe“ und geben den Menschen mit tiefer Stimme Ratschläge, aber durch Wuchsrichtung, Feuchtigkeitsgehalt und klimatische Bedingungen wird jeder Baum einzigartig.

Wer Kunstwerke schaffen will, muss eine lange Ausbildung absolvieren.

„Wer Objektdesigner werden will, braucht sowohl Talent als auch Fleiß – und beides hat wahrlich nicht jeder“, mahnt der Student Bert Frührauf.

Er hat bereits seinen Meister als Tischler gemacht, wollte „sich danach weiterentwickeln“. Denn die Tage, in denen ein Tischler mit wenigen Angestellten seinen Betrieb führen konnte, die Möbel nach eigenen Entwurf baute und auslieferte, und damit sein täglich Brot verdiente, sind gezählt.

Kleine Tischlerunternehmen bekommen immer häufiger fertige Ware geliefert und fungieren oft nur noch als Montageunternehmen für Konsumenten und Großunternehmen.

Spezialisierung ist wichtig

Um diesen Trend entgegenzuwirken, rät Frührauf zu vermehrter Spezialisierung in der Tischlerbranche. „Wer nicht in der Montage von Bauelementen, also im Ein- und Auspacken von Möbelteilen enden möchte, muss neue Wege gehen und so den eigenen Horizont erweitern.“

Arne Schmidt-Osterloh, Ausbilder an der Berufsfachschule Flensburg für Bildhauerei, hat schon ganz andere Zeiten erlebt.

„Jeder meiner Schüler weiß, dass er für einen Nischenberuf ausgebildet wird, aber gerade deswegen sollten alle Absolventen flexibel und breit aufgestellt sein.“ Schmidt-Osterloh schätzt, dass nur etwa zehn Prozent der an seiner Schule Ausgebildeten den eigentlichen Kernberuf des Holzbildhauers ausüben.

Durch die Technisierung der Betriebe gehört das individualisierte Bildhauerhandwerk zu einer aussterbenden Zunft, die auch die privaten Auftraggeber kaum retten können.

Und wie sich Kunst mit Wirtschaft verbinden lässt, kann man an Astrid Lindgrens Roman auch gut erkennen. Am Ende verkaufte Michel all seine Holzmännchen und wurde ein reicher Mann.

Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (Jahrgang 10)

Energiewunder Holz

Holz speichert mehr CO2 als viele denken. Als klimaschützender Werkstoff wird es deswegen für viele immer attraktiver. Auf der Holzmesse LIGNA in Hannover kann man schon heute sehen, wie in Zukunft mit Holz das Klima geschützt werden kann.

Von Laura Ebeling und Olaf Kösel

Holz ist ein Klimaschützer, der ein ungeahntes Potenzial in sich birgt.“ Thomas Hoenig ist Experte, was Holz angeht. Der 25-Jährige ist Forstwissenschaftler in Göttingen – ein Beruf, der spannender ist, als sein Name auf den ersten Blick verrät.

Als Forstwissenschaftler leistet er durch die Bewirtschaftung der Wälder einen wichtigen Anteil zum Klimaschutz.

Denn die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern stellt die Basis für eine klimaschonende Zukunft dar. „Holz ist der einzige Rohstoff, der sowohl bei der Produktion als auch bei der Nutzung Kohlenstoff speichert.“

Thomas Hoenig muss deshalb darauf achten, dass nie mehr Holz geerntet wird als nachwächst.

Die Wälder werden nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit bewirtschaftet, denn sie sind mit all ihren Funktionen ein entscheidender Klimaschützer:

Jeder Baum nimmt pro Kubikmeter Holz etwa eine Tonne CO2 auf. Wenn man in Europa den Wald um zehn Prozent vergrößern würde, könnte man damit jene 25 Prozent CO2-Einsparung erreichen, die im Kyoto-Protokoll verlangt werden.

Die Verwendung ist entscheident

Aber nicht nur das Wachstum der Bäume, sondern auch die nachhaltige Verwendung von Holz, sei es stofflich oder energetisch, ist ein guter Beitrag zum Klimaschutz.

Das Kompetenzzentrum HessenRohstoffe (HeRo) beispielsweise berät Gemeinden und Kommunen, wie sie Holz optimal nutzen können.

„Holzabfälle sind keinesfalls gleich ,Abfälle’“, sagt Martin Schutze, Fachreferent von HeRo. „Es kann mit einem positiven Beitrag zum Klimaschutz entsorgt werden.“

Die Weiterverarbeitung von Hölzern zu Hackschnitzeln oder Pellets sei nur eine von vielen Möglichkeiten, diese klimaschonend zu verwerten.

Als Beispiel: Ein 20 Jahre altes Einfamilienhaus mit einer Fläche von 100 bis 150 Quadratmetern hat einen Energiebedarf von 15 Kilowatt.

Mit einer herkömmlichen Ölheizung entspricht dies einem CO2-Ausstoß von 14 Tonnen pro Jahr. Eine Pellet-Heizung würde 75 bis 80 Prozent einsparen.

Neue Einsatzmöglichkeiten zum Klimaschutz

Um Holz noch klimaschonender einzusetzen, ist nicht nur die energetische, sondern auch die stoffliche Nutzung von großer Bedeutung, erklärt Heinrich Cordes, ehemaliger Vorsitzender des früheren Bundes deutscher Zimmermeister.

„Die stoffliche Verwendung von Holz bietet den Vorteil, dass das gespeicherte CO2 während der gesamten Nutzung nicht wieder an die Umwelt abgegeben wird.“

Ein Beispiel der stofflichen Nutzung ist das Passivhaus. Es besteht aus mit Dämmmaterialien kombiniertem Holz, das im Idealfall ohne zusätzliche Heizung auskommt.

„Steigende Energiepreise machen diese Form der Verwendung immer attraktiver“, sagt Cordes. Denn mit einer Amortisationszeit von etwa zehn Jahren rentiere sich so eine Immobilie relativ schnell.

Das bedeutet, dass nach zehn Jahren die ursprüngliche Investition gedeckt ist. Mit dem gesparten Geld kann der Besitzer dann beispielsweise eine Reise in die Karibik bezahlen und braucht wegen der eingesparten CO2-Emissionen auch kein schlechtes Gewissen wegen des Fluges haben.

Holz und Windkraft

Eine weitere Möglichkeit zur stofflichen Verwendung ist das Windrad aus Holz, das auf der LIGNA Hannover vorgestellt wurde.

Allein in dem Turm der Windkraftanlage sind etwa 2000 Tonnen CO2 gespeichert, und durch die vergleichsweise kostengünstige Aufbaumöglichkeit können nach Angaben des Herstellers bis zu 30 Prozent Kosten eingespart werden.

Das Gute beim Passivhaus und auch beim Holzwindkraftwerk ist, dass man das Holz nach dem Abriss immer noch zum Verfeuern benutzen kann.

Sei es fürs Heizen oder zur Stromgewinnung, beim Verbrennen von Holz wird genauso viel CO2 freigesetzt, wie vorher darin gespeichert wurde.

In Zeiten des Klimawandels, in denen das Thema Klimaschutz eine in der Öffentlichkeit breit diskutiert wird, gewinnt die Suche nach erneuerbaren Energien immer größerer Bedeutung.

Holznutzung lohnt sich finanziell

Die nachhaltige Nutzung von Holz ist dabei eine sinnvolle und wirtschaftlich rentable Alternative zu herkömmlichen Rohstoffen wie Öl oder Gas.

„Die stoffliche und energetische Verwendung von Holz wird jedoch durch politische Hürden behindert“, sagt Heinrich Cordes.

Schließlich werde fast die Hälfte der jährlich geernteten Holzmasse der energetischen Nutzung direkt zugeführt, obwohl eine stoffliche Nutzung vorweg sinnvoll und durchaus möglich wäre.

Für Thomas Hoenig ist Holz das ideale Material. Denn: „Holz ist nicht nur klimaneutral, es hat auch eine positive Klimabilanz.“

Gymnasium Langenhagen (Jahrgang 11)

„Nutzen ja, nur eben nachhaltig“

2011 ist das Internationale Jahr der Wälder. Um unsere Wälder weiterhin erhalten zu können, nutzen wir das Prinzip der Nachhaltigkeit. Dieses weiß man besonders in der Holzwirtschaft zu schätzen.

Von Paula Matlach und Nuowei Wang

Das Internationale Jahr der Wälder auf der LIGNA

Ohne ihn … wäre Goethe unlesbar.“ „Ohne ihn … hätte Kolumbus nie Amerika entdeckt.“ Die Plakatkampagne zum Internationalen Jahr der Wälder, welches von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, zeigt auf, was alles ohne Bäume nicht möglich wäre. Besonders als Lebensraum und Lebensgrundlage ist der Wald wichtig.

Immerhin sind weltweit mindestens zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten auf ihn angewiesen, denn er schützt sie und sorgt für ihre Nahrung.

Wir Menschen nutzen ihn vor allem, um uns zu erholen, da die saubere Luft und die gesunde Atmosphäre zum Beispiel beim Sonntagsspaziergang oder bei einer Fahrradtour sehr angenehm sind.

Ebenso wichtig ist der wirtschaftliche Nutzen, den wir aus Wäldern ziehen können. „Wald ist natürlich auch eine Einkommensquelle“, sagt Frank Haufe, Forstexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf der Holzweltmesse LIGNA in Hannover.

100 Kubikmeter geerntetes Holz sichern einen Arbeitsplatz für ein ganzes Jahr.

Insgesamt beträgt die Holzernte in Deutschland jährlich 60 bis 80 Millionen Kubikmeter. Auch der Umsatz ist hoch. Die 800.000 Beschäftigten der Forst- und Holzbranche erwirtschaften 100 Milliarden Euro pro Jahr.

So viel nimmt ein internationaler Automobilkonzern im Jahr ein. „Darüber machen sich die Wenigsten Gedanken … Holzwirtschaft hat einen erheblichen Stellenwert“, stellt Haufe fest.

Doch die Wälder und damit auch alle ihre Funktionen und Nutzen sind begrenzt, falls wir nicht verantwortungsbewusst damit umgehen.

Das Jahr der Wälder soll die Menschen für diese Probleme öffnen und Konzepte zur Erhaltung der Waldflächen international verbreiten – nicht nur für heutige, sondern auch für kommende Generationen.

Diese Konzepte konzentrieren sich besonders auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz mithilfe von Holz.

Was vielen nicht klar ist:

Einen Baum zu fällen bedeutet nicht gleich die Umwelt zu schädigen. Es ist viel besser einen Tisch aus Holz zu kaufen als einen aus Kunststoff oder Metall.

Denn bei der Produktion von Holz entsteht kein Kohlenstoffdioxid, im Gegenteil, es speichert sogar den Kohlenstoff und reduziert damit den Gesamtanteil von CO2 in der Atmosphäre. Anders als bei der Herstellung beispielsweise von Plastik und Metall.

Nicht nur die klimaneutrale Produktion ist ein starkes Argument. Auch als Dämmstoff ist Holz besser geeignet als viele andere Materialien. Eine 30 Zentimeter dicke Holzwand dämmt genauso gut wie eine 120 Zentimeter dicke Backsteinwand.

Außerdem hat ein Kubikmeter Buchenholz dieselbe Heizkraft wie 190 Liter Heizöl.

Dennoch muss gewährleistet sein, dass der Waldbestand erhalten bleibt, damit man seine Vorteile noch über einen langen Zeitraum nutzen kann.

„Nutzen ja, nur eben nachhaltig“, meint Haufe.

Darauf wird gerade in Deutschland viel Wert gelegt. Denn nachdem im Mittelalter der Wald so intensiv genutzt wurde, dass die Waldfläche nur noch 5 Prozent betrug, suchte der spätere Begründer der nachhaltigen Forstwirtschaft, Hans-Carl von Calowitz, nach einer Lösung für dieses Problem. Er entwarf die Theorie der Nachhaltigkeit.

Das Prinzip ist einfach: Man nimmt nur so viel wie auch produziert werden kann, am besten noch weniger, damit sich der Bestand auch aufstocken lässt. Wenn man also zwei Bäume abschlägt, sollte man dafür sorgen, dass drei nachwachsen. In Deutschland hat sich dieses Prinzip schon lange durchgesetzt.

So haben wir es mit diesem Ansatz geschafft, unseren Waldbestand auf etwas mehr als ein Drittel der Gesamtfläche von Deutschland aufzuforsten.

Jetzt müsste dieses Verfahren auch in anderen Ländern umgesetzt werden, in denen immer noch unverantwortlich mit dem Wald umgegangen wird.

Zum Beispiel in Brasilien, wo die Schwierigkeit, nicht – wie viele Menschen meinen – nur im Abholzen der Wälder liegt, sondern vielmehr im Abbrennen großräumiger Flächen, um diese als Weiden zu nutzen.

Um diese Gedanken auch dort umzusetzen, gibt es 2011 viele internationale Aktionen und Kampagnen zum Jahr der Wälder.

Eine Idee, die auch schon teilweise umgesetzt wird, sind die sogennanten CO2-Zertifikate. Diese Siegel garantieren dem Verbraucher, dass das gekaufte Holz aus nachhaltigem Anbau stammt.

Durch das Jahr der Wälder erhofft man sich also unter anderem, das Prinzip der Nachhaltigkeit und auch andere oben genannte Ideen in vielen Ländern umzusetzen und so ein verstärktes Bewusstsein für Umwelt zu verbreiten.

Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover (Jahrgang 10)

Prinzipiell ganz leicht

Holz ist eine begehrte Ressource, die in nachhaltiger Form zur Verfügung steht. Doch nicht nur die Möbelindustrie reißt sich um den Rohstoff, sondern auch die Energieversorger. Mit weniger Holz, mehr Möbel zu produzieren, ist das Ziel. Leichtbau spielt dabei die entscheidende Rolle.

Von Rebecca Weyers und Laura Harms

 

Blick durch ein Leichtbauelement

In Geros Kofferraum liegt ein neues Regal. Es ist modern, leicht, preiswert und einfach aufzubauen – ein klassisches Mitnahmemöbelstück aus dem schwedischem Einrichtungshaus.

Ob sparsamer Student, mobile Familie oder spontane Geschäftsfrau, sie alle wollen günstige, leichte Möbel, die zu ihrem Lebensstil passen.

Immer mehr Leute fordern Mitnahmemöbel“, sagt Dr. Heiko Thömen, Professor für Holzwerkstoffe an der Berner Fachhochschule. Das sei eine der zwei Kräfte, die die Entwicklung von Leichtbau vorantreibe.

Die andere ist der verantwortungsvolle Umgang mit dem Rohstoff Holz, um den sich bereits holzverarbeitende Industrie und Energiekonzerne streiten.

Mit dem holzsparenden Prinzip Leichtbau scheint die Industrie eine Lösung gefunden zu haben. Die Platten, aus denen Leichtbaumöbel hergestellt werden, enthalten beispielsweise einen Pappkern.

Im Querschnitt sehen die Platten aus wie kleine Sandwiches. Zwei Spanschichten schließen eine Pappkonstruktion ein wie zwei Toasts eine Scheibe Käse.

Die Form des Pappkerns haben sich die Ingenieure bei Bienenwaben abgeguckt. Die Sechsecke sind aus recyceltem Karton und stabilisieren aufgrund ihrer Form.

Das Prinzip ist nicht neu:

 

Informationsrecherche auf der LIGNA

Bereits in den achtziger Jahren wurde Leichtbau beim Möbelbau benutzt, um Trennwände leichter zu machen. Aus dem Flugzeugbau übernahm die Möbelindustrie immer mehr Komponenten.

Seit ein paar Jahren erlebt der Leichtbau eine Renaissance. Diese wird auch durch die Energiepolitik vorangetrieben.

„Kreative Innovationen sind die einzige Chance, um den Energiekonzernen, die den begehrten Rohstoff verbrennen, entgegentreten zu können“, sagt Prof. Dr. Martin Stosch, Vorstand der Interessengemeinschaft Leichtbau (igeL).

Der Hohlraum der Mittelllage wird beispielsweise für Kabel oder Lautsprecherboxen genutzt. Auch Duftspender und Lampen finden sich mittlerweile in manchen Regalen.

So spürt der Kunde den Mehrwert und ist eher bereit mehr Geld auszugeben. „Wir wollen bessere Möbel“, sagt Stosch, „und der Leichtbau ist eben die Antwort auf die schwere Spanplatte.“

Weniger Gewicht rechtfertigt für viele Kunden aber noch lange nicht die höheren Preise. „Die Spanplatte, die in den meisten Möbeln verbaut wird, ist unschlagbar günstig“, sagt Thömen.

Das Ziel sei es nach wie vor an Material und an Gewicht zu sparen.

Aber auch die spannendste Entwicklung hänge von den Kosten ab. Bis zu einer Plattenstärke von 24 Millimetern, die in vielen Möbelstücken verbaut werden, ist die Leichtbauplatte teurer als die Spanplatte.

Gerade der weltweit größte Möbelhersteller hat erkannt, dass niedrige Preise nur über hohe Stückzahlen realisierbar sind. So besitzt das Unternehmen in fast ganz Europa eigene Werke und ist daher in der Lage, der Konkurrenz die Preise zu diktieren.

In Verträgen bindet der schwedische Großkonzern kleinere Produktionsfirmen an sich und schafft es beispielsweise vier große Leichtbauplatten in der Minute für 40 Cent pro Stück zu produzieren.

„Da kann ein Beistelltisch schon einmal unter 5 Euro kosten, bei 30 Cent Materialkosten“, kritisiert Projektingenieur Carsten Henkenjohann. Dass Leichtbau auch wirklich umweltfreundlich ist, hält Henkenjohann für eine Marketingstrategie.

„Es geht darum, dem Käufer ein gutes Gefühl zu geben.“

Dennoch sprechen Rohstoffeinsparung, geringere Transportkosten wegen weniger Gewicht, einfache Mitnahme und vergleichbare Festigkeitseigenschaften gegenüber der Spanplatte für sich.

Leichtbau soll keine Revolution des Möbelmarkts sein, die Entwicklung geschieht Stück für Stück. Mit weniger Holz, mehr Möbel herzustellen, das ist das Ziel – auch auf der LIGNA, der weltweit größten Fachmesse der Forst- und Holzwirtschaft. Die Sonderpräsentation „Think Light“ spiegelt die Wichtigkeit des Themas wider.