„Nutzen ja, nur eben nachhaltig“

2011 ist das Internationale Jahr der Wälder. Um unsere Wälder weiterhin erhalten zu können, nutzen wir das Prinzip der Nachhaltigkeit. Dieses weiß man besonders in der Holzwirtschaft zu schätzen.

Von Paula Matlach und Nuowei Wang

Das Internationale Jahr der Wälder auf der LIGNA

Ohne ihn … wäre Goethe unlesbar.“ „Ohne ihn … hätte Kolumbus nie Amerika entdeckt.“ Die Plakatkampagne zum Internationalen Jahr der Wälder, welches von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, zeigt auf, was alles ohne Bäume nicht möglich wäre. Besonders als Lebensraum und Lebensgrundlage ist der Wald wichtig.

Immerhin sind weltweit mindestens zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten auf ihn angewiesen, denn er schützt sie und sorgt für ihre Nahrung.

Wir Menschen nutzen ihn vor allem, um uns zu erholen, da die saubere Luft und die gesunde Atmosphäre zum Beispiel beim Sonntagsspaziergang oder bei einer Fahrradtour sehr angenehm sind.

Ebenso wichtig ist der wirtschaftliche Nutzen, den wir aus Wäldern ziehen können. „Wald ist natürlich auch eine Einkommensquelle“, sagt Frank Haufe, Forstexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf der Holzweltmesse LIGNA in Hannover.

100 Kubikmeter geerntetes Holz sichern einen Arbeitsplatz für ein ganzes Jahr.

Insgesamt beträgt die Holzernte in Deutschland jährlich 60 bis 80 Millionen Kubikmeter. Auch der Umsatz ist hoch. Die 800.000 Beschäftigten der Forst- und Holzbranche erwirtschaften 100 Milliarden Euro pro Jahr.

So viel nimmt ein internationaler Automobilkonzern im Jahr ein. „Darüber machen sich die Wenigsten Gedanken … Holzwirtschaft hat einen erheblichen Stellenwert“, stellt Haufe fest.

Doch die Wälder und damit auch alle ihre Funktionen und Nutzen sind begrenzt, falls wir nicht verantwortungsbewusst damit umgehen.

Das Jahr der Wälder soll die Menschen für diese Probleme öffnen und Konzepte zur Erhaltung der Waldflächen international verbreiten – nicht nur für heutige, sondern auch für kommende Generationen.

Diese Konzepte konzentrieren sich besonders auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz mithilfe von Holz.

Was vielen nicht klar ist:

Einen Baum zu fällen bedeutet nicht gleich die Umwelt zu schädigen. Es ist viel besser einen Tisch aus Holz zu kaufen als einen aus Kunststoff oder Metall.

Denn bei der Produktion von Holz entsteht kein Kohlenstoffdioxid, im Gegenteil, es speichert sogar den Kohlenstoff und reduziert damit den Gesamtanteil von CO2 in der Atmosphäre. Anders als bei der Herstellung beispielsweise von Plastik und Metall.

Nicht nur die klimaneutrale Produktion ist ein starkes Argument. Auch als Dämmstoff ist Holz besser geeignet als viele andere Materialien. Eine 30 Zentimeter dicke Holzwand dämmt genauso gut wie eine 120 Zentimeter dicke Backsteinwand.

Außerdem hat ein Kubikmeter Buchenholz dieselbe Heizkraft wie 190 Liter Heizöl.

Dennoch muss gewährleistet sein, dass der Waldbestand erhalten bleibt, damit man seine Vorteile noch über einen langen Zeitraum nutzen kann.

„Nutzen ja, nur eben nachhaltig“, meint Haufe.

Darauf wird gerade in Deutschland viel Wert gelegt. Denn nachdem im Mittelalter der Wald so intensiv genutzt wurde, dass die Waldfläche nur noch 5 Prozent betrug, suchte der spätere Begründer der nachhaltigen Forstwirtschaft, Hans-Carl von Calowitz, nach einer Lösung für dieses Problem. Er entwarf die Theorie der Nachhaltigkeit.

Das Prinzip ist einfach: Man nimmt nur so viel wie auch produziert werden kann, am besten noch weniger, damit sich der Bestand auch aufstocken lässt. Wenn man also zwei Bäume abschlägt, sollte man dafür sorgen, dass drei nachwachsen. In Deutschland hat sich dieses Prinzip schon lange durchgesetzt.

So haben wir es mit diesem Ansatz geschafft, unseren Waldbestand auf etwas mehr als ein Drittel der Gesamtfläche von Deutschland aufzuforsten.

Jetzt müsste dieses Verfahren auch in anderen Ländern umgesetzt werden, in denen immer noch unverantwortlich mit dem Wald umgegangen wird.

Zum Beispiel in Brasilien, wo die Schwierigkeit, nicht – wie viele Menschen meinen – nur im Abholzen der Wälder liegt, sondern vielmehr im Abbrennen großräumiger Flächen, um diese als Weiden zu nutzen.

Um diese Gedanken auch dort umzusetzen, gibt es 2011 viele internationale Aktionen und Kampagnen zum Jahr der Wälder.

Eine Idee, die auch schon teilweise umgesetzt wird, sind die sogennanten CO2-Zertifikate. Diese Siegel garantieren dem Verbraucher, dass das gekaufte Holz aus nachhaltigem Anbau stammt.

Durch das Jahr der Wälder erhofft man sich also unter anderem, das Prinzip der Nachhaltigkeit und auch andere oben genannte Ideen in vielen Ländern umzusetzen und so ein verstärktes Bewusstsein für Umwelt zu verbreiten.

Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover (Jahrgang 10)

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Prinzipiell ganz leicht

Holz ist eine begehrte Ressource, die in nachhaltiger Form zur Verfügung steht. Doch nicht nur die Möbelindustrie reißt sich um den Rohstoff, sondern auch die Energieversorger. Mit weniger Holz, mehr Möbel zu produzieren, ist das Ziel. Leichtbau spielt dabei die entscheidende Rolle.

Von Rebecca Weyers und Laura Harms

 

Blick durch ein Leichtbauelement

In Geros Kofferraum liegt ein neues Regal. Es ist modern, leicht, preiswert und einfach aufzubauen – ein klassisches Mitnahmemöbelstück aus dem schwedischem Einrichtungshaus.

Ob sparsamer Student, mobile Familie oder spontane Geschäftsfrau, sie alle wollen günstige, leichte Möbel, die zu ihrem Lebensstil passen.

Immer mehr Leute fordern Mitnahmemöbel“, sagt Dr. Heiko Thömen, Professor für Holzwerkstoffe an der Berner Fachhochschule. Das sei eine der zwei Kräfte, die die Entwicklung von Leichtbau vorantreibe.

Die andere ist der verantwortungsvolle Umgang mit dem Rohstoff Holz, um den sich bereits holzverarbeitende Industrie und Energiekonzerne streiten.

Mit dem holzsparenden Prinzip Leichtbau scheint die Industrie eine Lösung gefunden zu haben. Die Platten, aus denen Leichtbaumöbel hergestellt werden, enthalten beispielsweise einen Pappkern.

Im Querschnitt sehen die Platten aus wie kleine Sandwiches. Zwei Spanschichten schließen eine Pappkonstruktion ein wie zwei Toasts eine Scheibe Käse.

Die Form des Pappkerns haben sich die Ingenieure bei Bienenwaben abgeguckt. Die Sechsecke sind aus recyceltem Karton und stabilisieren aufgrund ihrer Form.

Das Prinzip ist nicht neu:

 

Informationsrecherche auf der LIGNA

Bereits in den achtziger Jahren wurde Leichtbau beim Möbelbau benutzt, um Trennwände leichter zu machen. Aus dem Flugzeugbau übernahm die Möbelindustrie immer mehr Komponenten.

Seit ein paar Jahren erlebt der Leichtbau eine Renaissance. Diese wird auch durch die Energiepolitik vorangetrieben.

„Kreative Innovationen sind die einzige Chance, um den Energiekonzernen, die den begehrten Rohstoff verbrennen, entgegentreten zu können“, sagt Prof. Dr. Martin Stosch, Vorstand der Interessengemeinschaft Leichtbau (igeL).

Der Hohlraum der Mittelllage wird beispielsweise für Kabel oder Lautsprecherboxen genutzt. Auch Duftspender und Lampen finden sich mittlerweile in manchen Regalen.

So spürt der Kunde den Mehrwert und ist eher bereit mehr Geld auszugeben. „Wir wollen bessere Möbel“, sagt Stosch, „und der Leichtbau ist eben die Antwort auf die schwere Spanplatte.“

Weniger Gewicht rechtfertigt für viele Kunden aber noch lange nicht die höheren Preise. „Die Spanplatte, die in den meisten Möbeln verbaut wird, ist unschlagbar günstig“, sagt Thömen.

Das Ziel sei es nach wie vor an Material und an Gewicht zu sparen.

Aber auch die spannendste Entwicklung hänge von den Kosten ab. Bis zu einer Plattenstärke von 24 Millimetern, die in vielen Möbelstücken verbaut werden, ist die Leichtbauplatte teurer als die Spanplatte.

Gerade der weltweit größte Möbelhersteller hat erkannt, dass niedrige Preise nur über hohe Stückzahlen realisierbar sind. So besitzt das Unternehmen in fast ganz Europa eigene Werke und ist daher in der Lage, der Konkurrenz die Preise zu diktieren.

In Verträgen bindet der schwedische Großkonzern kleinere Produktionsfirmen an sich und schafft es beispielsweise vier große Leichtbauplatten in der Minute für 40 Cent pro Stück zu produzieren.

„Da kann ein Beistelltisch schon einmal unter 5 Euro kosten, bei 30 Cent Materialkosten“, kritisiert Projektingenieur Carsten Henkenjohann. Dass Leichtbau auch wirklich umweltfreundlich ist, hält Henkenjohann für eine Marketingstrategie.

„Es geht darum, dem Käufer ein gutes Gefühl zu geben.“

Dennoch sprechen Rohstoffeinsparung, geringere Transportkosten wegen weniger Gewicht, einfache Mitnahme und vergleichbare Festigkeitseigenschaften gegenüber der Spanplatte für sich.

Leichtbau soll keine Revolution des Möbelmarkts sein, die Entwicklung geschieht Stück für Stück. Mit weniger Holz, mehr Möbel herzustellen, das ist das Ziel – auch auf der LIGNA, der weltweit größten Fachmesse der Forst- und Holzwirtschaft. Die Sonderpräsentation „Think Light“ spiegelt die Wichtigkeit des Themas wider.

Ergebnisse unseres Videowettbewerbs

Jetzt ist es endlich so weit: Die Video sind fertig! Hier könnt ihr sie nun alle in der Reihenfolge ihrer Platzierung sehen.

(Durch ein Klicken auf unsere Themen werden Sie zu ligna.tv weitergeleitet.)

1. Vom Wald zur Bioenergie

Filmteam des Hainberg Gymnasiums Göttingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Computer und Holz

Filmteam des Goethegymnasiums Hildesheim

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Die LIGNA

Filmteam der Marie Curie Schule, Ronnenberg/Empelde

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Vom Stamm zum Haus

Filmteam des Gymnasiums Schillerschule Hannover

Aktiv am Klimaschutz beteiligt

Auf der Holzfachmesse LIGNA erfährt man, wie man durch richtiges Bauen die Welt ein kleines bisschen retten kann.

Der Holzzimmermann vom nds Verband der Zimmermänner

Von Bianca Tiroke und Merret Hoffmann

Klimaschutz. Was ist das eigentlich? Und warum redet jeder davon? Was ist so wichtig daran, unser Klima zu schützen?

Welche Rolle spielt Holz dabei? Diesen und mehr Fragen kann man auf der LIGNA nachgehen: der Weltmesse für Forst- und Holzwirtschaft in Hannover.

Zuerst sollte man sich aber im Klaren darüber werden, warum das Klima überhaupt gefährdet ist. Unsere Erde ist von einer dichten Gasschicht umhüllt, die dafür sorgt, dass es konstant warm auf dem Planeten bleibt.

Da der Mensch aber stetig die Umwelt mit dem Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) belastet, sei es nun durch die Industrie oder weil man täglich Auto fährt, sammelt sich eine dicke Schicht, die die Atmosphäre verdeckt.

Die Folgen sind steigende Temperaturen, die Welt verändert sich lebensbedrohlich.

Wie soll man dem begegnen, und wäre es nicht viel bequemer, den Dingen ihren Lauf zu lassen?

Sicherlich wäre es das, aber dann würden unsere Pole schmelzen, der Wasserspiegel steigen und der Mensch müsste versuchen, sich den neuen Bedingungen anzupassen.

Dieses Schicksal wollen wir unseren Nachfahren ersparen und versuchen, durch das eigentlich unscheinbar und einfach wirkende Hilfsmittel Holz, unser Klima und somit unsere Erde zu retten.

Holz ist gar nicht so ein primitiver Werkstoff, wie es auf den ersten Blick scheint: Wurde es früher nur zum Bauen oder Verbrennen genutzt, wird es heute vor allem als umweltfreundliches Material geschätzt.

So werden pro Kubikmeter Holz, anstelle anderer Materialien, bis zu zwei Tonnen Kohlenstoff eingespart, erklärt der studierte Forstwissenschafter Thomas Hoenig.

Der Kohlenstoff werde für den Zeitraum der Produktnutzung „fixiert“ und der Holzabfall könne am Ende zur Energiegewinnung weiterverwendet werden.

Was heißt in diesem Fall Fixierung?

Es bedeutet, dass ein Baum während seiner Wachstumsphase Kohlenstoffdioxid aufnimmt, um daraus neuen Zellstoff zu produzieren und stetig zu wachsen. Der entscheidende Prozess hierfür ist die Photosynthese.

Hierbei wird das CO2 aufgespalten und der Kohlenstoff wird im Baum gespeichert. Sauerstoff wird als Nebenprodukt abgegeben.

Vorteile von Holz

Für den Bau von Eigenheimen oder öffentlichen Gebäuden sei Holz sehr zu empfehlen, da Holzbauten viel energieeffizienter sind als andere Baumaterialien, sagt Hoenig. Auch können inzwischen Passivhäuser mit Holz gebaut werden.

Unter einem Passivhaus versteht man ein energiesparendes, selbst heizendes Haus, das durch gute Wärmedämmung und ein zirkulierendes Belüftungssystem mehr als 80% Energie beim Heizen spart.

Vereinfacht: „Es reicht schon allein eine Kerze, um das gesamte Haus zu heizen. Die Stromkosten sind oftmals höher als die Heizkosten“, sagt Ulf Cordes, Geschäftsleiter der Firma Ing.-Holzbau Cordes.

„In Passivhäusern gibt es außerdem keine separaten Heizungsanlagen.“ Die Anforderungen an solche Bauten würden zurzeit in Deutschland „hochgepusht“. Allgemein könne man beobachten, dass viel mehr Passivhäuser im Süden Deutschlands als im Norden gebaut würden.

So seien zum Beispiel nur sechs Prozent aller Gebäude in Niedersachsen Passivhäuser. „Durch den Einsatz eines Zimmermannes, der mit Holz arbeitet, kommt der Klimaschutz aber auf jeden Fall einen Schritt voran“, sagt Cordes.

Passivhäuser sparen nicht nur Energie, auch der Bau der Häuser selbst ist weniger produktionsintensiv als wenn Baustoffe wie Beton oder Stahl benutzt werden.

Bei der Herstellung dieser beiden Werkstoffe entsteht außerdem sehr viel Kohlenstoffdioxid, bei der Verwendung von Holz nicht.

Holz und Klimaschutz

Letztlich kann man sagen, dass Holz ein sehr wichtiger Faktor für den Klimaschutz ist. Sicherlich kann sich nicht jeder ein Passivhaus leisten, da der Bau sehr teuer ist, aber schon dadurch, dass man den Rohstoff Holz benutzt, sei es als Zimmermann oder Privatnutzer, trägt man einen großen Teil zum Klimaschutz bei.

Dieser ist gar nicht so abstrakt und undurchsichtig, wie man denkt, denn schon ein paar Stunden intensive Beschäftigung mit dem Thema, wie zum Beispiel auf der LIGNA, bringen einen enormen Einblick.

Im Endeffekt kann jeder etwas tun – man muss die Sache nur in Angriff nehmen.

Klimaschutz ist die Chance für alle, die Welt ein bisschen besser zu machen. Vielleicht auch mit dem einfachen Hilfsmittel Holz.

Elsa Brandström Schule Hannover (Jahrgang 10 und 11)

CNC – Ein Orchester ganz anderer Art

Schränke bauen, Tische produzieren, Betten herstellen. Und das alles mit nur einer Maschine. Die CNC-Technologie macht‘s möglich. Auf der LIGNA werden die Stärken des Verfahrens vorgestellt.

von Ilka Brühl

Lärm ist das Erste, was ich vernehme, als ich auf der LIGNA, der Weltmesse für die Holz- und Forstwirtschaft, die Halle 26 betrete.

Eben noch habe ich die Stille genossen, die von gelegentlichem Vogelgezwitscher unterbrochen wurde, und jetzt muss man sich anbrüllen, um überhaupt etwas zu verstehen. Überall um mich herum knattern, zischen und lärmen Maschinen so groß wie ein LKW.

Rechts neben mir werden gerade Spanplatten mit einer wohnzimmergroßen Sägeanlage in handliche Platten aufgeteilt, auf Maß gebracht, gefräst, mit einer Kante versehen, gebohrt und – ohne dass ein Mensch die Teile je angefasst hat – zu einem Kleiderschrank zusammengebaut.

Inmitten der großen Anlagen komme ich mir ganz klein vor und beäuge diese Kolosse. Wie von Zauberhand läuft hier alles ab.

Allerdings merke ich in den Gesprächen schnell, wie wenig das Ganze mit Zauberei zu tun hat. Aber wenn es nicht Zauberei ist, dann muss es doch wenigstens unglaublich kompliziert sein.

CNC-Bearbeitungszentrum von Maka

CNC-Bearbeitungszentrum von Maka

Oder etwa nicht?

„Im Ganzen wirkt der Fertigungsprozess sicherlich ziemlich kompliziert, aber zerlegt man ihn in seine Einzelteile, wird es gleich viel klarer“, sagt Wolfgang Babina, Schulungsleiter bei IMA Klessmann, einem Hersteller von Holzbearbeitungssystemen.

Seine Firma hat auf der LIGNA eine Produktionsstätte nachgebaut. Sie wirkt auf mich zunächst wie eine wahllose Ansammlung von Werkzeugen, die hektisch und völlig willkürlich herumfahren.

Genau das ist aber nicht der Fall. Denn nur durch eine perfekt ausgeklügelte Koordination läuft das Ganze eben wie von Zauberhand. Und da kommt die CNC-Technik ins Spiel.

Manche haben den Begriff vielleicht schon einmal gehört, für die meisten dürfte er aber völlig neu sein. CNC steht nicht etwa für „Cooler neuer Chat“, sondern für „Computerized Numerical Control“.

Das bedeutet, dass die Maschine allein arbeitet – entsprechend der Maße und Geschwindigkeiten, die man vorher eingegeben hat.

Früher musste ein Arbeiter noch mit der Hand bohren, heute genügt es, einer Maschine die Bohrdaten wie Durchmesser, Position, Tiefe und Geschwindigkeit vorzugeben – und alles funktioniert von allein.

Alles spielt zusammen

Man kann das mit einem Orchester vergleichen. Der Bediener ist der Dirigent. Ihm unterstehen eine Reihe von  Instrumenten. In unserem Fall die Werkzeuge. Jedes Instrument kann nur eine Sache.

Mit der Gitarre kann man nicht geigen, sondern ausschließlich Gitarre spielen. Mit der Bohrmaschine bohrt man Löcher, kann aber nicht sägen. Dem Dirigenten unterliegt nun die schwierige Aufgabe, mit all diesen Instrumenten ein wundervolles Lied erklingen zu lassen.

Und nichts anderes macht auch der Bediener der CNC-Maschine. Er kombiniert die verschiedenen Arbeitsschritte so individuell zusammen, dass das optimale Ergebnis herauskommt.

Das hat viele Vorteile. Denn so eine Maschine ermüdet natürlich nicht und ist sehr viel präziser als ein Mensch.

So können wesentlich mehr gleichwertige Teile hergestellt werden, weil zum Beispiel die Rundung einer Tischplatte immer gleich rund werden wird. Diese Genauigkeit kann ein Arbeiter von Hand nicht erreichen.

Vorteile von CNC Maschinen

Für die Möbelhersteller bedeutet das, dass sie mehr Teile günstiger produzieren können – und das macht sie bekanntlich immer glücklich.

Außerdem lassen sich CNC-Maschinen schnell und variabel an neue Aufträge anpassen. Hat man eben noch einen großen Kleiderschrank gefertigt, ändert man schnell das Programm und kann jetzt beispielsweise eine Tischplatte oder ein Bett herstellen.

Früher hätte man, unter hohem Zeitaufwand, die Maschinen umbauen müssen. Heute reicht der Aufruf eines anderen CNC-Programms.

Ein weiterer Vorteil der CNC-Technik ist, dass ein komplett fertig bearbeitetes Möbelstück entsteht. Weil ohne Pausen daran gearbeitet wird, spart man auch an dieser Stelle Zeit. Die Fertigung wird insgesamt also viel schneller.

CNC ist also praktisch für Firmen, weil es schneller und vor allem genauer funktioniert.

Kostet das dann viele Jobs?

Häufig hört man, dass die Technik viele Jobs koste. Rainer Jilge von MAKA, einem Hersteller für CNC-Maschinen, sagt aber, dass die Stellen nur verschoben würden.

Die meisten Menschen arbeiteten jetzt eben nicht mehr an den Maschinen selbst, sondern in der Programmierung oder der Weiterentwicklung von CNC-Maschinen und -Verfahren.

Walter Fahrenschon, Geschäftsführer bei der Hundegger Maschinenbau GmbH, meint sogar: „Ohne die CNC-Technik wäre die Bearbeitung großer Holzstücke überhaupt nicht möglich.“ Es entstünden also auch neue Stellen.

Dass für Frauen die Arbeit mit CNC-Technologie schwieriger ist als für Männer, haben alle Gesprächspartner verneint. Sie meinen, es seien noch viel zu wenige Frauen in dem Beruf tätig. Aber das liege am veralteten Image von harter körperlicher Arbeit in der Holzbranche.

Frauen vor

Durch die CNC-Technik würde jetzt hoffentlich ein Weg geebnet, der auch jungen Frauen den Einstieg in den Beruf erleichtert.

Ob man programmiert, Maschinen oder Verfahren weiterentwickelt  – auf jeden Fall ist dieser Bereich für alle eine gute Wahl, die Interesse für Technik und ein logisches Verständnis mitbringen.

Mittlerweile bin ich von diesem Thema regelrecht begeistert und kann es nur allen, auch jungen Frauen, empfehlen, sich damit zu befassen.

Auf meinem Rückweg durch Halle 26 gehe ich mit erhobenen Schultern und einem ganz anderen Gefühl.

Und es ist mir, als wenn ich inmitten all dieser Geräusche ein harmonisches Lied heraushöre, vollendet mit einem dankbaren Seufzen der Maschinen. Ja und draußen … draußen regnet es jetzt.

Otto-Brenner-Schule Hannover (Jahrgang 12)

Auf dem Holzweg!

Warum er nicht immer in die Irre führen muss – eine Neuinterpretation

Von Kristina Bauer und Bastian Krüger

Recherche auf dem Messestand der Firma Ing.-Holzbau Cordes

Von großen Baum-Erntemaschinen bis hin zu kleinen Holzpellets: Die Weltmesse LIGNA für Forst- und Holzwirtschaft stellt den Naturrohstoff Holz und seine Verwendungsmöglichkeiten in verschiedensten Varianten zur Schau.

Die ökologische Nutzung von Holz steht dieses Jahr im Mittelpunkt. Wie kaum zuvor ist der Klimaschutz ins allgemeine Bewusstsein getreten, auch in das der Aussteller.

Die Auswirkungen des Treibhauseffekts, die Verknappung fossiler Brennstoffe und die Gefahr von Atomkraftwerken – das sind die Gespenster, die in den Köpfen der Umweltschützer herumgeistern.

Doch wie diesen Problemen begegnen?

Während etliche selbst ernannte Umweltschützer in Politik und Wirtschaft auf diese Frage nur mit flüchtigen Ausreden und abwimmelnden Floskeln reagieren, findet sich auf der „LIGNA“ eine echte Antwort:

Holz als Klimakatastrophenkiller. 

Die größte Schwierigkeit: die CO2-Emission. Ein Problem, für das es aber Lösungsansätze gibt. Mitten im Ausstellungsbereich im Pavillon 35 steht eine Tafel mit einer einfachen Grafik:

Verringerung der CO2-Emissionen durch Einbindung des Kohlenstoffs im Holz. Eckard Klopp, Architekt der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, betont die Wichtigkeit des Kohlenstoffzyklus’ als Fundament für den Klimaschutz.

Durch Photosynthese zieht jede Pflanze CO2 aus der Luft und speichert dabei Kohlenstoff. Der entstandene Sauerstoff wird wieder freigegeben.

„So werden in einem Kubikmeter Holz bis zu 0,9  Tonnen Kohlenstoff fixiert“, sagt Thomas Hoenig, Forstwissenschaftler an der Universität Göttingen. Folglich werde die Atmosphäre entlastet.

Verwendet man einen Kubikmeter Holz anstelle anderer Baumaterialien wie Metall oder Beton, werden insgesamt bis zu zwei Tonnen CO2 eingespart.

Holz kann zum Beispiel für Passivhäuser verwendet werden, die zweifach zur Energieeinsparung beitragen. Ulf Cordes, Geschäftsführer der Firma Ing.-Holzbau Cordes, sieht allein in der Verwendung von Holz als Baumaterial einen großen Beitrag zum Klimaschutz.

Doch die eigentliche Eigenschaft von Passivhäusern, so der Diplom-Kaufmann, drückt sich dahingehend aus, dass durch stark gedämmte Wände und ein ausgeklügeltes Lüftungssystem Heizungen weitgehend überflüssig werden.Das Ergebnis: Der Energieverbrauch sinkt.

Weitere Aspekte

Einen anderen Aspekt der nachhaltigen und ökologischen Holznutzung liefert Martin Schultze, Referent für nachwachsende Rohstoffe am Kompetenzzentrum HessenRohstoffe. Holz ist in Europa nahezu überall verfügbar und nicht wie Bergbauprodukte an bestimmte Orte gebunden.

Außerdem weist der Diplom-Ingenieur noch auf eine andere bedeutende Chance hin: Holz ist recyclebar. Alte Bretter eines abgerissenen Hauses können weiter verwendet werden:

Je nach Qualität entweder als Baustoff oder als Brennmittel für Biomasseheizkraftwerke. Diese wiederum verringern die Nachfrage nach fossilen Energieträgern. Ferner wird nur so viel CO2 ausgestoßen, wie vorher im Holz fixiert war.

Kritik gegen diese Verwendung von Holz äußern allerdings einige Umweltschützer. Zu intensive Holznutzung sei gefährlich. Schnell könne rücksichtslose Abholzung, so wie es in Südamerika der Fall ist, dazu führen, dass Kraftwerksbetreiber den Wald ausbeuten. Da bleibt keine Zeit zur Erholung – denn der nächste Bulldozer wartet schon.

Auch darauf hat Martin Schultze eine Antwort. In Deutschland gelten seit Jahrhunderten strikte Auflagen, wie intensiv der Wald bewirtschaftet werden darf. Dieses strenge Waldgesetz sorgt für eine nachhaltige Forstentwicklung.

Und bei Nachhaltigkeit sind sich die Experten einig: Sie ist der Schlüssel zu einer  generationenübergreifenden Sicherung des Rohstoffes Holz und seiner Produktionsstätte – dem Wald.

Holz hat also viele, für die meisten ungeahnte, positive Eigenschaften und damit sind nicht lediglich Produkte aus schwedischen Möbelhäusern gemeint.

Als einfachster und effektivster Speicher von CO2 hinterlässt Holz keinen Abfall, da man alle Teile des Baumes verwenden kann und die Naturressource recyclebar ist. Somit führt die Verwendung von Holz zu einer positiven Ökobilanz.

Die LIGNA demonstriert, dass sich Holzverwendung lohnt. Mit der Holznutzung bewegt man sich zwar buchstäblich auf dem Holzweg – als Weg in die Zukunft des Klimaschutzes ist er aber der richtige.

Geschwister-Scholl-Gesamtschule Göttingen (Jahrgang 12)

Auf dem Holzweg

Holz wird in immer mehr Bereichen eingesetzt und verdrängt oft sogar Materialien wie Stahl oder Metall. Und das hat auch einen guten Grund.

Von Martin Fuchs

Heinrich Cordes, Geschäftsführer der Firma Ing.-Holzbau Cordes

„Mit Holz kann man alles machen.“ Dieser Satz von Heinrich Cordes, Inhaber von Ing.-Holzbau Cordes, erklärt knapp und präzise, weshalb mit Holz ein Wunderwerk der Natur wieder in Mode gekommen ist.

Achterbahnen, Windkrafträder, eine Nachbildung des Niedersachsenpferdes – das und noch vieles mehr kann man aus Holz bauen. Für viele Aussteller auf der Holzmesse LIGNA scheint sogar klar:

Dem Holz gehört die Zukunft!

Doch wie ist der aktuelle Stand? Wo wird Holz überhaupt als Baustoff eingesetzt?

Ein Gang über die weltweit größte Holzmesse zeigt, dass Holz bereits heute an Orten zu finden ist, an denen Laien es nie vermutet hätten. Das liegt an der enormen Vielseitigkeit des Werkstoffs.

Die vielen Verwendungen von Holz

Holz ist als Dämm- und Isoliermaterial verwendbar, kommt im Möbelbau zum Einsatz und wird im künstlerischen Bereich verarbeitet. Dabei kommt es entweder als Vollholz oder als Werkstoff, das heißt in einer Mischung mit anderen Materialien, wie zum Beispiel Kunststoff, zum Einsatz.

Die Vielseitigkeit ist es, die auch Dr. Martin Ohlmeyer so fasziniert. Der Holzwissenschaftler von der Universität Hamburg sieht großes Potenzial in dem Naturprodukt.

Er hält es jedoch für schwierig, weitere Nischen zu finden, in denen Holz noch nicht zum Einsatz kommt. Ohlmeyer selbst entwickelt Spanplatten, deren Mittelschicht aus einem leichten Kunstschaum besteht.

Dadurch wird das Holz leichter, hat jedoch weiterhin nahezu identische Eigenschaften wie herkömmliche Spanplatten.

Dies ist gerade für – wie er es nannte – „Mitnahmemöbel“ äußerst praktisch – Möbelstücke also, die bei Möbelhäusern direkt eingekauft und verladen werden können.

Grundsätzlich sieht Ohlmeyer im Werkstoff Holz sowohl Vor- als auch Nachteile. So sei es mitunter ein Problem, dass Holz organisch ist – und damit verfaulen kann. Dafür können Holzprodukte im Gegensatz zu Plastik oder Stahl, wenn sie nicht mehr benötigt werden, ganz einfach verbrannt werden.

Dadurch wird Energie freigesetzt, die man nutzen kann. Insgesamt sieht Ohlmeyer im Holz einen hohen Nutzwert.

Ausgefallene Holzkonstruktionen

Dass Möbel meistens aus Holz bestehen, ist bekannt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass auch Achterbahnen aus Holz gebaut werden können. Und das war laut Heinrich Cordes bereits vor knapp 250 Jahren der Fall.

Vor gut 100 Jahren soll es weltweit 200 Holzachterbahnen gegeben haben. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen, denn bereits vor rund 40 Jahren entwickelte man längere und höhere Achterbahnen aus Stahl und verdrängte so die Holzbauten.

Erst in den vergangenen Jahren kam der Trend der Holzachterbahnen wieder auf. Und das Limit ist noch lange nicht erreicht.

Cordes hält sogar Holzachterbahnen mit 100 Metern Höhe für möglich. Die aktuell höchste Holzachterbahn ist 66 Meter hoch. Wer sich fragt, ob eine solche Konstruktion überhaupt halten kann, sei beruhigt.

Stürme halten Holzachterbahnen dank einer großen Anzahl an Trägern locker aus und nicht einmal einzelne faule Holzbalken beeinträchtigen die Standfestigkeit eines solchen Gebildes.

Neue Möglichkeiten für Holz

Im Gegensatz zu Martin Ohlmeyer sieht Heinrich Cordes enorm viele neue Einsatzmöglichkeiten für Holz. Ob es nun die Hochspannungsleitung oder die Stütze eines Windkraftrades ist – für Cordes scheinen die Möglichkeiten grenzenlos.

Auf die Idee, Windkrafträder aus Holz herzustellen, ist ein Windkraftrad-Produzent gekommen. Dieser stand vor dem Dilemma, dass der Stahl der Windkrafträder ab einer bestimmten Höhe instabil zu werden droht.

Er hielt nach anderen Möglichkeiten Ausschau – und fand sie bei der Firma von Heinrich Cordes, die seitdem Windkrafträder mit Holzgestell entwickelt. Die Masten müssen dabei noch nicht einmal chemisch behandelt werden, da sie mit einer Kunststoffschicht ummantelt werden.

Auf eine chemische Behandlung von Holz verzichtet auch Siegfried Schreiber. Er verarbeitet das Material als Künstler – und kam doch eher zufällig auf den Werkstoff.

Schreiber hätte auch mit Steinen arbeiten können, wurde aber in einem Holzbetrieb ausgebildet. Nun verarbeitet er Holz zu Schalen.

Wie lange er für seine Kunstwerke braucht, ist ihm egal. Die genaue Zeit zu messen, würde ihm die Freiheit nehmen, die er als Künstler benötigt.

Gerade durch die unterschiedlichen Gesprächspartner auf der LIGNA wurde schnell klar, dass Holz gerade durch seine vielseitige Einsetzbarkeit ein Material der Zukunft ist.

Elsa Brandström Schule Hannover (Jahrgang 11)