Prinzipiell ganz leicht

Holz ist eine begehrte Ressource, die in nachhaltiger Form zur Verfügung steht. Doch nicht nur die Möbelindustrie reißt sich um den Rohstoff, sondern auch die Energieversorger. Mit weniger Holz, mehr Möbel zu produzieren, ist das Ziel. Leichtbau spielt dabei die entscheidende Rolle.

Von Rebecca Weyers und Laura Harms

 

Blick durch ein Leichtbauelement

In Geros Kofferraum liegt ein neues Regal. Es ist modern, leicht, preiswert und einfach aufzubauen – ein klassisches Mitnahmemöbelstück aus dem schwedischem Einrichtungshaus.

Ob sparsamer Student, mobile Familie oder spontane Geschäftsfrau, sie alle wollen günstige, leichte Möbel, die zu ihrem Lebensstil passen.

Immer mehr Leute fordern Mitnahmemöbel“, sagt Dr. Heiko Thömen, Professor für Holzwerkstoffe an der Berner Fachhochschule. Das sei eine der zwei Kräfte, die die Entwicklung von Leichtbau vorantreibe.

Die andere ist der verantwortungsvolle Umgang mit dem Rohstoff Holz, um den sich bereits holzverarbeitende Industrie und Energiekonzerne streiten.

Mit dem holzsparenden Prinzip Leichtbau scheint die Industrie eine Lösung gefunden zu haben. Die Platten, aus denen Leichtbaumöbel hergestellt werden, enthalten beispielsweise einen Pappkern.

Im Querschnitt sehen die Platten aus wie kleine Sandwiches. Zwei Spanschichten schließen eine Pappkonstruktion ein wie zwei Toasts eine Scheibe Käse.

Die Form des Pappkerns haben sich die Ingenieure bei Bienenwaben abgeguckt. Die Sechsecke sind aus recyceltem Karton und stabilisieren aufgrund ihrer Form.

Das Prinzip ist nicht neu:

 

Informationsrecherche auf der LIGNA

Bereits in den achtziger Jahren wurde Leichtbau beim Möbelbau benutzt, um Trennwände leichter zu machen. Aus dem Flugzeugbau übernahm die Möbelindustrie immer mehr Komponenten.

Seit ein paar Jahren erlebt der Leichtbau eine Renaissance. Diese wird auch durch die Energiepolitik vorangetrieben.

„Kreative Innovationen sind die einzige Chance, um den Energiekonzernen, die den begehrten Rohstoff verbrennen, entgegentreten zu können“, sagt Prof. Dr. Martin Stosch, Vorstand der Interessengemeinschaft Leichtbau (igeL).

Der Hohlraum der Mittelllage wird beispielsweise für Kabel oder Lautsprecherboxen genutzt. Auch Duftspender und Lampen finden sich mittlerweile in manchen Regalen.

So spürt der Kunde den Mehrwert und ist eher bereit mehr Geld auszugeben. „Wir wollen bessere Möbel“, sagt Stosch, „und der Leichtbau ist eben die Antwort auf die schwere Spanplatte.“

Weniger Gewicht rechtfertigt für viele Kunden aber noch lange nicht die höheren Preise. „Die Spanplatte, die in den meisten Möbeln verbaut wird, ist unschlagbar günstig“, sagt Thömen.

Das Ziel sei es nach wie vor an Material und an Gewicht zu sparen.

Aber auch die spannendste Entwicklung hänge von den Kosten ab. Bis zu einer Plattenstärke von 24 Millimetern, die in vielen Möbelstücken verbaut werden, ist die Leichtbauplatte teurer als die Spanplatte.

Gerade der weltweit größte Möbelhersteller hat erkannt, dass niedrige Preise nur über hohe Stückzahlen realisierbar sind. So besitzt das Unternehmen in fast ganz Europa eigene Werke und ist daher in der Lage, der Konkurrenz die Preise zu diktieren.

In Verträgen bindet der schwedische Großkonzern kleinere Produktionsfirmen an sich und schafft es beispielsweise vier große Leichtbauplatten in der Minute für 40 Cent pro Stück zu produzieren.

„Da kann ein Beistelltisch schon einmal unter 5 Euro kosten, bei 30 Cent Materialkosten“, kritisiert Projektingenieur Carsten Henkenjohann. Dass Leichtbau auch wirklich umweltfreundlich ist, hält Henkenjohann für eine Marketingstrategie.

„Es geht darum, dem Käufer ein gutes Gefühl zu geben.“

Dennoch sprechen Rohstoffeinsparung, geringere Transportkosten wegen weniger Gewicht, einfache Mitnahme und vergleichbare Festigkeitseigenschaften gegenüber der Spanplatte für sich.

Leichtbau soll keine Revolution des Möbelmarkts sein, die Entwicklung geschieht Stück für Stück. Mit weniger Holz, mehr Möbel herzustellen, das ist das Ziel – auch auf der LIGNA, der weltweit größten Fachmesse der Forst- und Holzwirtschaft. Die Sonderpräsentation „Think Light“ spiegelt die Wichtigkeit des Themas wider.

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