Mit Kunst in der Nische

Auf der LIGNA kann man erleben, dass aus Holz wahre Kunstwerke entstehen können. Denn für Holzbildhauer ist das Material eines, „mit dem man alles machen kann“.

Von Lorenz-Alexander Bartsch und Noah Grossmann

Design der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Cham

Design der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Cham

Er griff zu. Der Holzscheit lag schwer in seiner Hand. Er beugte sich über die Werkbank. Die Klinge seines Messers glänzte im fahlen Mondlicht und er begann zu schnitzen …

Was der kleine Michel aus Lönneberga in Astrid Lindgrens Roman aus Langeweile tat, ist für viele heute ein Traumberuf:

Als Holzkünstler sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Schnitzen, hobeln, drechseln – alles, was das Herz begehrt.

Doch was macht den Umgang mit Holz so reizvoll für Künstler?

Auf der Holzweltmesse LIGNA in Hannover ist man sich einig: Kunst und Holz, das passt. Für Maike Thormeyer, die sich im zweiten Lehrjahr ihrer Holzbildhauerlehre befindet, ist Holz ein Material, „mit dem man einfach alles machen kann“.

So bietet der Werkstoff Holz einerseits Möglichkeiten und Herausforderungen, die ihn interessant machen, andererseits aber auch Gefahren. Denn Holz vereint verschiedene Eigenschaften, die es wahrlich lebendig wirken lassen.

Zwar bewegen sich die Bäume (noch) nicht wie die Ents im „Herren der Ringe“ und geben den Menschen mit tiefer Stimme Ratschläge, aber durch Wuchsrichtung, Feuchtigkeitsgehalt und klimatische Bedingungen wird jeder Baum einzigartig.

Wer Kunstwerke schaffen will, muss eine lange Ausbildung absolvieren.

„Wer Objektdesigner werden will, braucht sowohl Talent als auch Fleiß – und beides hat wahrlich nicht jeder“, mahnt der Student Bert Frührauf.

Er hat bereits seinen Meister als Tischler gemacht, wollte „sich danach weiterentwickeln“. Denn die Tage, in denen ein Tischler mit wenigen Angestellten seinen Betrieb führen konnte, die Möbel nach eigenen Entwurf baute und auslieferte, und damit sein täglich Brot verdiente, sind gezählt.

Kleine Tischlerunternehmen bekommen immer häufiger fertige Ware geliefert und fungieren oft nur noch als Montageunternehmen für Konsumenten und Großunternehmen.

Spezialisierung ist wichtig

Um diesen Trend entgegenzuwirken, rät Frührauf zu vermehrter Spezialisierung in der Tischlerbranche. „Wer nicht in der Montage von Bauelementen, also im Ein- und Auspacken von Möbelteilen enden möchte, muss neue Wege gehen und so den eigenen Horizont erweitern.“

Arne Schmidt-Osterloh, Ausbilder an der Berufsfachschule Flensburg für Bildhauerei, hat schon ganz andere Zeiten erlebt.

„Jeder meiner Schüler weiß, dass er für einen Nischenberuf ausgebildet wird, aber gerade deswegen sollten alle Absolventen flexibel und breit aufgestellt sein.“ Schmidt-Osterloh schätzt, dass nur etwa zehn Prozent der an seiner Schule Ausgebildeten den eigentlichen Kernberuf des Holzbildhauers ausüben.

Durch die Technisierung der Betriebe gehört das individualisierte Bildhauerhandwerk zu einer aussterbenden Zunft, die auch die privaten Auftraggeber kaum retten können.

Und wie sich Kunst mit Wirtschaft verbinden lässt, kann man an Astrid Lindgrens Roman auch gut erkennen. Am Ende verkaufte Michel all seine Holzmännchen und wurde ein reicher Mann.

Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium (Jahrgang 10)

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